Praxibeispiel Vollkostenrechnung

Ein einfaches und problemorientiertes Praxisbeispiel soll dir einen einfachen Einstieg in die Vollkostenrechnung ermöglichen. Nachfolgend siehst du den Unternehmensaufbau der LSG local support GmbH. Dieses Unternehmen ist auf die Produktion und den Verkauf von Skripten für Kostenrechnung spezialisiert.

Praxisbeispiel – Aufbau der LSG local support GmbH

Du siehst hier, dass die LSG local support GmbH eine Lieferung Papier und Toner bekommt, welche in einem Materiallager eingelagert und für die Produktion vorbereitet wird. In der Druckerei werden die Skripten gedruckt, gebunden und für den Versand fertig gemacht. Die LSG local support GmbH verfügt dann auch noch über eine Verwaltungs- und Vertriebsabteilung. Hier erfolgt die Planung, Umsetzung und Kontrolle aller notwendigen Prozesse, damit die Skripten mit der Bezeichung KORE 1 und KORE 2 an Studierende verkauft werden können.

Die LSG local support GmbH ist ein profitorientiertes Unternehmen. Das bedeutet, dass das oberste Unternehmensziel die Gewinnmaximierung ist. Genau gesagt, möchte die LSG local support GmbH den Gewinn aus dem Kerngeschäft maximieren. Das Kerngeschäft ist, wie bereits erwähnt, die Herstellung und der Verkauf von Skripten für die Kostenrechnung. Ich möchte dir jetzt zeigen, warum die LSG local support GmbH die Vollkostenrechnung braucht, um das Ziel der Gewinnmaximierung (im Kerngeschäft) zu erreichen. Dazu habe ich dir nachfolgend eine Übersichtsgrafik erstellt, welche ich mit dir Schritt für Schritt druchgehen werde.

Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT: Vollkostenrechung – aber wozu?

Im Praxispiel meines Beitrags Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT hast du gesehen, dass die LSG local support GmbH ihre Gewinne aus dem Kerngeschäft maximieren will. Aus diesem Grund sehen wir uns in einem ersten Schritt an, wie sich der sogenannte Betriebsgewinn der LSG local support GmbH überhaupt berechnen lässt. Den Betriebsgewinn findest du in der nachfolgenden Abbildung.

Vollkostenrechnung - BESSER - ERKLÄRT: Übersicht über die Kostenrechnung

Du siehst also, dass der Betriebsgewinn über folgende Gleichung berechnet wird:

Betriebsgewinn = Umsatz – Selbstkosten

Die Gewinngleichung bringt dann bereits den ersten Fachbegriff der Kostenrechnung und zwar die Selbstkosten. Die Selbstkosten entstehen der LSG local support GmbH für die Produktion und den Verkauf der Skripten für Kostenrechnung. Das heißt, dass unser Unternehmen zuerst selbst Kosten zu tragen hat, bevor überhaupt ein Umsatz erwirtschaftet werden kann. Die Selbstkosten setzten sich aus den Grundkosten, Anderskosten und den Zusatzkosten zusammen. Bevor du dich aber weiter mit diesen Begriffen beschäftigen kannst, muss du dir zunächst noch eine andere Frage stellen und zwar:

Woher bezieht die Kostenrechnung ihre Daten?

Die Kostenrechnung bezieht ihre Daten aus der Buchhaltung. Bevor du dir jetzt überlegst, wie die Daten von der Buchhaltung in die Kostenrechnung kommen, musst du dir zuerst überlegen, was die Buchhaltung überhaupt ist.

Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT: Buchhaltung

Die Buchhaltung ist ein System, das alle Geschäftsfälle eines Unternehmens aufzeichnet und daraus so genannte Erträge und Aufwände ableitet. Die Buchhaltung kann so feststellen, wie reich ein Unternehmen ist und wie hoch der Unternehmensgewinn ist. Jetzt ergeben sich natürlich jede Menge Fragen, die ich der Reihe nach mit dir klären werde.

Was ist ein Geschäftsfall?

Ein Geschäftsfall ist ein Vorfall, der die LSG local support GmbH betrifft und daher von der Buchhaltung aufgezeichnet wird. Werden beispielsweise Skripten an Kunden verkauft, so liegt ein Geschäftsfall vor, weil ja die LSG local support GmbH davon betroffen ist.

Wie stellt die Buchhaltung fest, wie reich ein Unternehmen ist?

Mein Beitrag Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT beantwortet dir diese Frage ganze einfach. Wenn wir an die LSG local support GmbH denken, dann können wir uns überlegen, dass dieses Unternehmen Gebäude, Drucker, Außendienstautos, Einrichtungsgegenstände, Bankguthaben, Bargeld usw. hat. Die Buchhaltung zählt den gesamten Wert dieser Dinge zusammen und sieht sich dann an, ob die LSG local support GmbH Schulden bei der Bank oder Lieferanten oder beim Finanzamt usw. hat. Werden vom gesamten Vermögen die Schulden abgezogen, dann kann das Reinvermögen (Eigenkaptial) berechnet werden. So findet die Buchhaltung raus, wie reicht die LSG local support GmbH ist. Aus den Geschäfsfällen werden dann sogenannte Aufwände und Erträge abgeleitet und in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst.

Was haben jetzt Aufwände und Erträge mit dem Reichtum zu tun?

Stell dir vor, dass die Maschinen der LSG local support weniger Wert werden, weil sie ständig für die Produktion gebraucht werden. Dann sinkt das Reinvermögen der LSG local support GmbH. Das sinken des Reinvermögens bezeichnet die Buchhaltung als Aufwand. Stell dir vor, dass die LSG local support GmbH ein Betriebsgrundstück hat, das aufgrund einer günstigen Entwicklung am Markt auf einmal viel mehr Wert ist, als vorher. Dann hat die LSG local support GmbH plötzlich mehr Reinvermögen als vorher. In so einem Fall sprechen wir dann von einem Ertrag.

Wie hängen jetzt die Aufwände mit den Kosten zusammen?

Du weißt ja, dass die Buchhaltung alle Geschäftsfälle erfasst, welche die LSG local support betreffen und daraus eben die Aufwände ableitet. Die Kostenrechnung interessiert sich jetzt aber nur für die Geschäftsfälle, die mit dem Kerngeschäft der LSG local support zu tun haben. Das Kerngeschäft ist die Produktion und der Verkauf von Skripten für Kostenrechnung. Jetzt ist es aber so, dass viele Unternehmen neben dem Kerngeschäft auch noch Nebengeschäfte haben. Diese Nebengeschäfte muss die Buchhaltung erfassen, die Kostenrechnung interessiert sich aber dafür überhaupt nicht. 

Das bedeutet, dass sich die Kostenrechnung alle Aufwände genau ansieht und dann entscheidet, ob der Aufwand für die Kostenrechnung wichtig ist oder nicht. Dazu sieht sich die Kostenrechnung also die Entstehungsgeschichte des Aufwandes an. Ich möchte dir hier ein Beispiel geben:Stell dir vor, dass die LSG local support GmbH eine Eigentumswohnung in ihrem Besitz hat, die sie vermietet. Wenn der Mieter auszieht, muss die Wohnung renoviert werden. Die Renovierung wird in der Buchhaltung als Aufwand erfasst. Für die Kostenrechnung ist diese Renovierung aber komplett uninteressant, weil sie aus einem Nebengeschäft stammt. Die Kostenrechnung würde also den Aufwand nicht übernehmen. Die Kostenrechnung überprüft alle Aufwände nach einem gewissen System und verwendet dabei als Werktzeug den Betriebsüberleitungsbogen.

Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT: Betriebsüberleitungsbogen

In meinem Beitrag Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT spielt der Betriebsüberleitungsbogen eine wichtige Rolle. Ich werde dir jetzt genau erklärren, wozu der Betriebsüberleitungsbogen notwendig ist. Du hast jetzt schon anhand eines Beispiels gesehen, wie die Kostenrechnung vorgeht. Der Betriebsüberleitungsbogen ist ein Werkzeug der Kostenrechnung, das dir hilft, deine Aufwände ganz genau und nach bestimmten Kriterien zu analysieren, damit auch keine Fehler passieren.Der Betriebsüberleitungsbogen erfasst auch noch die Zusatzkosten. Das sind Kosten, für die es in der Buchhaltung keine Aufwände gibt, weil es für diese Kosten keine Geschäftsfälle gibt. Die Zusatzkosten werden ich in einem eigenen Abschnitt noch ganz genau mit dir besprechen.

Wenn du alle Aufwände analysiert hast und auch die Zusatzkosten erfasst hast, dann bist du mit dem Betriebsüberleitungsbogen fertig. Der Betriebsüberleitungsbogen besteht dann nur mehr aus Grundkosten, Anderskosten und Zusatzkosten. Diese drei Kostenkategorien miteinander ergeben dann die Selbstkosten. Du siehst jetzt also, dass sich der Kreis schließt, wir sind wieder bei den Selbstkosten angekommen. Im nächsten Schritt wollen wir uns ansehen, wie du den Umsatz berechnen kannst.

Vollkostenrechnung - BESSER - ERKLÄRT: Betriebsgewinn

Berechnung des Umsatzes

für die Berechnung des Umsatzes musst du dir bitte in Erinnerung rufen, dass die LSG local support GmbH zwei Produkte verkauft: KORE 1 und KORE 2. Mit der Formel: verkaufte Menge * Preis/Stück kann der Umsatz für die beiden Produkte berechnet werden. Du findest diese Formel auch in der Übersicht zur Kostenrechnung, die ich dir gleich zu Beginn gezeigt habe. Nachfolgend zeige ich dir den Ausschnitt, in dem der Umsatz berechnet wird, dann kannst du dich besser orientieren.

Vollkostenrechnung - BESSER - ERKLÄRT: Umsatzberechnung

Die verkaufte Menge kannst du leicht erheben. Du erinnerst dich ja, dass die Buchhaltung alle Geschäftsfälle aufzeichnen muss. Somit werden auch alle Verkäufe an die Kunden aufgezeichnet. Somit stellt sich noch die Frage zu welchem Preis die Skripten KORE 1 und KORE 2 verkauft werden. Der Preis der Skripten hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

  1. Konkurrenz
  2. Zahlungsbereitschaft der Kunden
  3. Qualität unserer Produkte
  4. Selbstkosten je Stück

Viele Unternehmen orientieren sich nur an der Konkurrenz oder an der Zahlungsbereitschaft der Kunden und legen dann einfach Preise nach dem Bauchgefühl fest. Das ist aber der falsche Weg. Ich zeige dir jetzt, wie es richtig geht.  Die LSG local support GmbH orientiert sich in einem ersten Schritt an den Selbstkosten je Skript. Das heißt, dass das Unternehmen zuerst überlegt, was es für das Unternehmen selbst kostet, wenn ein Skript produziert und verkauft wird. Diese Kosten müssen auf jeden Fall durch den Verkaufspreis gedeckt werden. Stell dir vor, die LSG local support GmbH weiß, dass die Produktion und er Verkauf eines Skripts für Kostenrechnung Selbstkosten in der Höhe von € 15,00 je Stück verursacht, dann muss der Verkaufspreis auch mindestens € 15,00 betragen. In diesem Fall würde die LSG local support zwar noch keinen Gewinn machen, könnte aber alle Kosten decken und wieder neue Skripten produzieren. 

Was ist, wenn ein Skript um € 20,00 verkauft werden kann?

Das wäre super, weil die LSG local support GmbH dann für jedes verkaufte Skript € 5,00 Gewinn macht. Jedes profitorientierte Unternehmen muss Gewinne machen, damit es am Markt bestehen kann.

Nur wer seine Selbstkosten kennt – kann seine Gewinne maximieren“

Du siehst hier aber schon, dass wir dem Problem mit der Gewinnmaximierung näher kommen. Ich fasse für dich nochmal zusammen. Wenn es der LSG local support GmbH gelingt, einen Preis am Markt durchzusetzten, der über den Selbstkosten je Stück liegt, dann werden schon mal Gewinne erzielt. Somit können wir festhalten, dass die LSG local support GmbH die eigenen Selbstksoten auf jeden Fall kennen muss, wenn die Gewinne maximiert werden sollen und die verkaufte Menge feststeht. Wir haben jetzt aber noch ein Problem. Die Selbstkosten liegen der LSG local support GmbH aktuell nur als Gesamtbetrag vor. Wir haben aber besprochen, dass wir die Selbstkosten für ein einzelnes Skript der Sorte KORE 1 und der Sorte KORE 2 benötigen. Wie stehen also vor einem sogenannten Kostenverteilungsproblem. In meinem Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT werden ich dir genau zeigen, wie dieses Problem gelöst wird.

Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT: Kostenverteilungsproblem

In meinen Ausführungen Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT halt du ja bereits den Betriebsüberleitungsbogen kennen gelernt. Im Betriebsüberleitungsbogen wurden zwar die Selbstkosten berechnet, aber wir wissen nicht, wie sich die Selbstkosten auf die Skripten KORE 1 und KORE 2 aufteilen. Genau das ist das Kostenverteilungsproblem. An dieser Stelle musst du nur mal wissen, dass wir den sogenannten Betriebsabrechnungsbogen und dann noch eine Zuschlagskalkulation verwenden, um das Kostenverteilungsproblem zu lösen.

Vollkostenrechnung - BESSER - ERKLÄRT: Kostenverteilungsproblem

Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT: Betriebsabrechnungsbogen

Der Betriebsabrechnungsbogen spielt in meinem Beitrag Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT eine wichtige Rolle. Der Betriebsabrechnugnsbogen ist ein Werkzeug der Kostenrechnung. Er übernimmt die Daten aus dem Betriebsüberleitungsbogen. Dann wird überlegt, wie die Kosten auf die Produkte KORE 1 und KORE 2 aufgeteilt werden. Dazu wird eine Kostenanalyse gemacht.

Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT: Zuschlagskalkulation

Hierbei handelt es sich um ein Rechenschema, das die Selbstkosten für ein Skript von Kostenrechnung berechnen kann. Bitte merke dir an dieser Stelle, dass die Selbstkoste je Stück die langfristige Preisuntergrenze sind.  

Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT: Langfristige Preisuntergrenze

Die langfristige Preisuntergrenze ist genau so hoch wie die Selbstkosten je Stück. Damit ist eben gemeint, dass dass die LSG local support GmbH nur langfristig am Markt bestehen kann, wenn durch den Verkauf der Skripten alle Kosten gedeckt werden. In diesem Fall wäre der Gewinn bei € 0,00. Schafft es die LSG local support GmbH Preise über der langfristigen Preisuntergrenze durchzusetzten, dann werden Gewinn erwirtschaftet.

Wie können letztendich die Gewinne maximiert werden?

In unserem Beispiel gehen wir aus Gründen der Einfachheit davon aus, dass die maximale Absatzmenge am Markt vorgegeben ist. Ziel der LSG local support GmbH muss es jetzt sein, einen Preis zu erziehlen, der möglichst hoch über den Selbstkosten liegt, aber von den Kunden noch akzeptiert wird. Die Kostenrechnung liefert dabei die Selbstksoten je Stück und leistet somit einen entscheidenden Beitrag, damit die LSG local support GmbH Gewinne maximieren kann. Jetzt siehst du also, wie wichtig die Kostenrechnung für ein Unternehmen ist. Ich hoffe, dass dir das bei mein Beitrag Vollkostenrechnung – BESSER – ERKLÄRT behilflich war.